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Versicherer stellen immer höhere Anforderungen an die Veranstaltungssicherheit

Hannah 5 min

Die Versicherung von Veranstaltungen wird immer kniffliger – und das weltweit. Seitdem sich die Veranstaltungsbranche nach der Corona-Pandemie immer weiter erholt, stellen Versicherer stets höhere Anforderungen an die Sicherheit – einige Versicherungsleistungen wurden sogar gänzlich eingestampft.

Anfang des Jahres hat Insurance Journal berichtet, dass Schadens- und Haftpflichtversicherungen für Eventlocations, Künstlerinnen und Künstler sowie Veranstalter weltweit zwar noch grundsätzlich angeboten werden, jedoch müssen Antragstellerinnen und Antragsteller viel genauer als zuvor nachweisen, wie sie die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Künstlerinnen und Künstler aber auch der Zuschauerinnen und Zuschauern umsetzen.
Die Zeichnungsrichtlinien für Veranstaltungsversicherungen werden immer strenger und das Risikomanagement spielt eine immer entscheidendere Rolle. Antragstellerinnen und Antragsteller müssen penibel detailliert beschreiben, wie sie die Sicherheit auf der Veranstaltung garantieren und welche Schritte sie im Notfall ergreifen. „Für uns in der Versicherungsbranche fühlt es sich an, als würden wieder von null beginnen“, sagt Carol Bressi-Cilona, Vizepräsidentin für Unterhaltung und Sport bei HUB, einem internationalen Versicherungsunternehmen mit Sitz in den USA. Haftpflichtversicherungen sind bis 2023 um 5 % bis 10 %[D1] gestiegen. Manche Versicherungsleistungen, beispielsweise solche für innere Unruhen und Aufstände, sind nach Corona gänzlich von der Bildfläche verschwunden. „Es geht derzeit nicht wirklich um Tarifschwankungen, sondern eher darum, dass das Angebot bestimmter Versicherungsleistungen schrumpft bzw. gänzlich eingestampft wird“, so Bressi-Cilona.

Mehr Risiken

Die höheren Versicherungskosten hängen auch mit den immer komplexeren Produktionen zusammen, was mehr Risiken zur Folge hat. Spektakuläre Stücke, die ein echter Publikumsmagnet sind, gehen mit mehr Risiken für die Mitarbeitenden vor Ort einher. Das betrifft aber auch die Sicherheit der Zuschauenden. Beispielsweise stellen Drohnen über großen Menschenmassen und schlechtes Crowd Management höhere Risiken dar. Darüber hinaus hat vor allem Corona gezeigt, dass die Ansteckungsgefahr ein reales Risiko ist. Die größten Risiken für Besucherinnen und Besucher sind aber nach wie vor Ausrutschen, Stolpern und Stürzen. Aber auch Übergriffe und Verletzungen nach Zusammenstößen mit dem Sicherheitspersonal können Schadensersatzansprüche mit sich bringen.

Astroworld

An der Stelle sollte das Astroworld-Festival in Houston, Texas, erwähnt werden, bei dem es 2021 zu Todesfällen kam. Die dramatischen Entwicklungen auf dem Event hatten ein langes Nachspiel in Form von enormen Schadensersatzansprüchen. Das ist unter anderem ein Grund dafür, warum Versicherer jetzt viel genauer auf das Sicherheitskonzept von Veranstaltungen schauen, beispielsweise, ob genug Fluchtrouten vorhanden sind.
Versicherer verlangen mittlerweile sogar manchmal den Einsatz von Metalldetektoren am Eingang, um zu vermeiden, dass Menschen Schusswaffen mit auf eine Veranstaltung bringen. Das immer extremere Wetter lässt die Versicherungskosten ebenfalls in die Höhe steigen. Konkret kann das dazu führen, dass es deutlich kostspieliger ist, ein Festival an der Ostküste der USA während der Hurrican-Saison zu veranstalten als ein Festival im Frühling an der Westküste. Ein anderes standortbezogenes Risiko ist beispielsweise die Erdbebengefahr. Doch auch die Gewissenhaftigkeit bei der Organisation spielt eine Rolle: „Einem Versicherer ist es ein Dorn im Auge, wenn Sie ein groß angelegtes Event mit zu wenig Sicherheitspersonal und günstigem Alkohol veranstalten“, sagt Versicherungsmakler Ryan Jones von Insurance Office of America.

Niederlande

Bei uns in den Niederlanden sind die Anforderungen von Versicherern an die Veranstaltungssicherheit noch relativ überschaubar, da der niederländische Veranstaltungsmarkt in der Regel sehr gut gemanagt wird. Laut Michiel Bredius von No Risk stellen Versicherer keine bestimmten Anforderungen, doch wenn ein Sicherheitsplan mangelhaft ist, kann der Versicherer den Versicherungsantrag womöglich ablehnen oder den Preis erhöhen.

Ein Beispiel ist das Guilty Pleasure Festival – ein zweitägiges Festival am Gaasperplas-See in Amsterdam, welches am Sonntag, den 9. Juli 2023 aufgrund herannahenden Gewitter, Windböen und Hagel abgesagt wurde. In einem Statement teilten die Veranstalter mit, dass das Risiko zu groß sei. Zu diesem Schluss kamen sie nach intensiver Beratung mit den Sicherheitsdiensten, ihrem Versicherungsmakler No Risk und dem Wetterdienst, welche angesichts der örtlichen Gegebenheiten und der Ungewissheit, wie stark das Unwetter den Veranstaltungsort letztendlich betreffen würde, zu einer Absage geraten haben. Nach Beratung mit den Sicherheitsdiensten und No Risk mussten sie beschließen, den zweiten Tag der Veranstaltung abzusagen.

Die nächsten Schritte

Was kostet es, ein Event zu unterbrechen, greift die Versicherung und wie trifft man diese Entscheidung überhaupt? In den Planungssitzungen vor einem großen Event lassen sich solche Szenarien im Detail und unter Berücksichtigung aller beteiligten Parteien durchspielen und durchplanen. Wenn dann so ein Härtefallszenario ausgearbeitet wird, wird auch die Möglichkeit einer Absage bzw. Unterbrechung besprochen. Ist das aus versicherungstechnischer Sicht überhaupt eine Option? Bredius sagt dazu: Die Spezialisten haben in so einem Fall oft das letzte Wort, beispielsweise ein Sanitäter bei gesundheitlichen Zwischenfällen und Meteorologen bei einem Extremwetterszenario. Doch im Idealfall wird die Option einer Absage gemeinsam mit allen Beteiligten besprochen – mit dem Veranstalter, dem Versicherungsmakler und der zuständigen Behörde.“

Quelle: https://www.eventsafetyinstitute.nl/blogs/verzekeraars-stellen-meer-eisen-aan-veiligheid-evenementen/

 


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